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Welchen Nutzen haben Nistkästen?

Nistkästen sind eine vom Menschen geschaffene Form der Nisthilfe, vorrangig für Vögel. Der Hohlraum im Nistkasten ermöglicht dabei die Aufzucht der Jungtiere. Er ist gewissermaßen ein künstlicher Brutplatz für einheimische Vögel, kann aber zusätzlich auch zum Zwecke der Übernachtung und als Zufluchtsort vor Witterungseinflüssen (Regen, Schnee) für die Vögel dienen, wobei er hier insbesondere für diejenigen Vogelarten Bedeutung hat, die in unseren Breiten überwintern.

Ursprüngliche, natürliche Brutplätze werden für die einheimischen Vogelarten immer seltener. Denn eigentlich nutzen die Vögel das im weitgehend unberührten Wald sich befindende Totholz für ihre Brutplätze. In den heutigen Wirtschaftswäldern gibt es jedoch nur noch sehr wenig davon, weshalb die Brutbedingungen erschwert sind. Allerdings erkannten die Menschen schnell den nützlichen Effekt der Vögel als Insektenfresser, weshalb die ersten Nistkästen bereits im 19. Jahrhundert in den Wäldern aufgestellt wurden – als eine Art biologische Schädlingsbekämpfung.

Nistkästen werden oft in privaten Gärten aufgehängt, sie sind aber ebenso an öffentlichen Wegen oder an Waldrändern und im Wald selbst zu finden. Für Menschen stellen sie eine hervorragende Möglichkeit dar, das Leben der Vögel inklusive Brutverhalten und Aufzucht der Nachkommen genauer zu beobachten. Nistkästen werden aber nicht nur von Vögeln, sondern zum Teil auch von Säugetieren wie Fledermäusen und sogar von Insekten wie Bienen, Hornissen, Hummeln und Wespen als Quartier genutzt.

Nistkästen leisten nachweislich einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und haben zusätzlich – wie bereits angedeutet – noch einen weiteren ökologisch wertvollen Nutzen: Indem sie speziell für insektenverzehrende Vögel in Gebieten aufgehängt werden, in denen Obstanbau sowie Land- und Forstwirtschaft betrieben wird, wird der übermäßigen Vermehrung von Schädlingsraupen entgegengewirkt und der Einsatz von Insektiziden kann entsprechend reduziert werden.

Nistkästen sind ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz, zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur biologischen Schädlingsbekämpfung

Nistkästen sind vom Menschen geschaffene Brutplätze für Vögel
Foto: blickpixel / pixabay

Arten von Nistkästen

Nistkasten ist nicht gleich Nistkasten, denn nicht jede Nisthilfe eignet sich für jede Vogelart. So bestimmt die Größe des Einflugloches, welche Vogelart darin nisten kann. Aber auch die Lichtverhältnisse im Inneren des Nistkastens spielen eine Rolle. Sogenannte Nischenbrutvögel wie Rotkehlchen und Bachstelze bevorzugen mehr Helligkeit; ist es im Nistkasten zu dunkel, vermeiden es diese Vögel, dort zu brüten.

Am verbreitetsten sind Nistkästen für Höhlen- und Nischenbrüter, auch Nisthöhlen genannt. Sie wurden nach dem natürlichen Vorbild von Spechthöhlen entwickelt, da sich im Wald Höhlen- und Nischenbrüter meist die verlassenen Höhlen von Buntspechten aussuchen, denn dort herrschen ideale Brutbedingungen. Nisthilfen für Höhlen- und Nischenbrüter weisen eine eckige bis ovale Form auf und besitzen ein bis maximal zwei Einfluglöcher.

Ferner gibt es Nisthilfen für Tunnel- und Röhrenbrüter, zu denen u.a. Eisvogel, Mauersegler, Turmfalke und Uferschwalbe gehören. Diese Nistkästen verfügen über einen 20 bis 30 cm langen Eingang, da dies dem spezifischen Brutverhalten dieser Vögel entgegenkommt. Außerdem gibt es Freibrüter wie den Zaunkönig, für den eine kugelförmige Nisthilfe konzipiert wurde. Des Weiteren existieren offene Nistplattformen für Vögel, die geschlossene Nistkästen verschmähen – dazu zählt beispielsweise der Uhu.

Nistkästen werden oft aus Holzbrettern oder aus ganzen Stammstücken gefertigt, allerdings hat dieses Material auch seine Nachteile. Holz ist nicht nur weniger witterungsbeständig, sondern auch anfällig für Pilzbefall und Vermorschen. Zudem können Nistkästen, die aus Holz bestehen, von Nesträubern wie dem Buntsprecht oder auch von Eichhörnchen aufgenagt werden, die dann an die Vogelbrut gelangen. Aus diesem Grund haben sich mittlerweile Nistkästen durchgesetzt, die aus einem widerstandsfähigen, langlebigen Gemisch aus Zement und Sägemehl (genannt Holzbeton) hergestellt werden.

Wie sollte ein Nistkasten beschaffen sein?

Prinzipiell ist die Form eines Nistkastens (oval oder eher eckig) weniger entscheidend. Auch müssen Sie das Innere nicht auspolstern, etwa mit Sägemehl oder Stroh, denn das erledigen die Vögel selbst, indem sie Zweige, Moos, Federn etc. dazu benutzen. Folgende Merkmale sollte ein gut konstruierter Nistkasten aufweisen:

  • Solide, robuste Konstruktion
  • Stabiles, dickwandiges Holz oder Holzbeton ohne Zwischenräume
  • Einfache Reinigung
  • Stabile Aufhängung bzw. Befestigung
  • Passende Einflugöffnung

Wichtig ist es, nicht wahllos irgendeine Nisthilfe zu kaufen. Die Wahl hängt vielmehr davon ab, welche Vogelart Sie bei der Brut und Aufzucht der Jungen in Ihrem Garten unterstützen wollen. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht, welche Vogelart welche Öffnungsgröße des Einflugloches benötigt.

Öffnungsgröße des Einflugloches

 

Vogelart
28 mm Kleine Meisenarten wie Blaumeise, Tannenmeise

 

32 mm Blau-, Tannen-, Kohl-, Haubenmeise, Feld- und Haussperling, Kleiber, Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz

 

34 mm Alle oben genannten Arten

 

45 mm Star, Buntspecht

 

80 mm Dohle, Hohltaube

 

130 mm Dohle, Hohltaube, Waldkauz

 

Halboffene Front (Halbhöhle) Rotkehlchen, Grauschnäpper, Zaunkönig, Bachstelze, Amsel, Hausrotschwanz

 

 

Was ist bei der Anbringung von Nistkästen zu beachten?

Zunächst einmal stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, einen Nistkasten aufzustellen. Wenn man im Frühling eifrige Vogeleltern bei der Aufzucht der Jungtiere beobachten möchte, sollte die Nisthilfe spätestens im März aufgehängt werden. Möglich ist es aber ebenso, den Nistkasten schon im Herbst an Ort und Stelle anzubringen, da er dann von den Vögeln als Übernachtungs- und teilweise sogar als Überwinterungsort angenommen wird.

Einiges zu beachten gilt es bei der Anbringung eines Nistkastens. Ob er nun an einem Baum oder an einer Haus-, Garagen- oder Scheunenwand fixiert wird, ist nachrangig. Vögel mögen allerdings generell keine frei schaukelnden Nistkästen. Daher sollten sie solide am Baum oder an der Hauswand befestigt werden. Soll es ein Baum sein, so verwenden Sie zum Befestigen am besten eine Holzleiste und dazu Aluminiumnägel, da diese dem Baum nicht schaden. Denkbar ist es auch, den Nistkasten an einen langen Pfosten zu nageln und diesen dann in der Erde zu verankern. Der Nistkasten sollte sich in einer Höhe von etwa zwei bis fünf Metern befinden, je nachdem, welche Vogelart Sie bei der Aufzucht unterstützen möchten. Singvögel etwa bevorzugen eine Höhe von knapp zwei Metern, andere Vögel wollen aber lieber höher hinaus. Das Einflugloch sollte idealerweise nach Südosten ausgerichtet sein, damit Wind und Regen nicht in den Nistkasten eindringen können.

Sie wollen gleich mehrere Nistkästen in Ihrem Garten anbringen? Das ist prinzipiell kein Problem, allerding sollte ein Abstand von etwa zehn Metern zwischen den einzelnen Nisthilfen liegen, damit sich die Vögel nicht in die Quere kommen. Als Standorte bieten sich geschützte, halbschattige Lagen an.

Hier finden Sie noch einmal kompakt zusammengefasst wichtige Hinweise, die bei der Anbringung von Nistkästen berücksichtigt werden sollten:

  • Hängen Sie den Nistkasten wahlweise im Herbst oder im Frühjahr bis spätestens März auf.
  • Suchen Sie einen geschützten Standort aus, der für Nesträuber wie Katzen oder Marder schwer zugänglich ist. Die Mindesthöhe beträgt knapp zwei Meter. Manche bringen zusätzlich einen sog. Katzenabwehrgürtel (ein metallener Strahlenkranz) am Baum an.
  • Der Nistkasten sollte an einer vor Witterungseinflüssen geschützten Stelle angebracht werden. Eine Ausrichtung nach Südosten, Osten oder Norden verhindert das Eindringen von Regen ebenso wie die Störungen durch eine allzu pralle und heiße Mittagssonne.
  • Vögel mögen frei schaukelnde Nisthilfen nicht. Besser ist es, diese an Bäumen, Pfosten oder einer (Haus)Wand anzubringen.
  • Wird der Nistkasten an einem Baum aufgehängt, sollten Nägel aus Aluminium benutzt werden, da diese keine Schäden beim Baum anrichten können.
  • Füllen Sie den Nistkasten nicht mit Materialien wie Stroh oder Sägemehl. Für die richtige „Polsterung“ sorgen die Vögel selbst.
  • Sollen mehrere Nistkästen aufgestellt werden, achten Sie auf einen ausreichenden Mindestabstand (zehn Meter) zwischen den Nisthilfen.
  • Ideal ist es, den Nistkasten in der Nähe eines Busches aufzustellen. Das Laub bietet nicht nur Schutz, sondern das Geäst des Strauches ist zudem eine gute Start- und Landemöglichkeit für Jungvögel, wenn diese ihre ersten Flugversuche unternehmen.
  • Nistkästen mit halboffener Front (sog. Halbhöhlen) sollten besonders geschützt aufgestellt werden, damit die Brut sicher vor Räubern ist.
  • Im Sinne der Artenvielfalt sollte Sie, wenn die Anbringung mehrerer Nisthilfen geplant ist, Modelle mit unterschiedlich großen Einfluglöchern wählen. Auf diese Weise bekommen verschiedene Vogelarten die Möglichkeit, ihre Jungen aufzuziehen.
  • Bleibt der Nistkasten mehr als zwei Brutsaisons lang unbewohnt, sollten Sie einen anderen Standort auswählen.
Je nach Größe des Einfluglochs bieten Nistkästen unterschiedlichen Vogelarten die Möglichkeit einer Brutstätte

Nistkästen gibt es in verschiedenen Ausführungen, wobei die Größe des Einfluglochs entscheidend ist
Foto: flyupmike / pixabay

Tipps zur Pflege und Reinigung von Nistkästen

Wenn die Aufzucht der Brut abgeschossen ist und die Jungvögel ausgeflogen ist, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den Nistkasten zu reinigen. Dies ist im Herbst der Fall, am besten warten Sie bis Mitte, Ende Oktober ab. Ausnahme: Manchmal hat es sich ein Untermieter im verlassenen Nest gemütlich gemacht, meist handelt es sich um Siebenschläfer, die dort überwintern. In diesem Fall sollten Sie mit der Reinigung bis zum nächsten Frühjahr warten. Durch ein Klopfen an den Nistkasten können Sie einfach und schnell feststellen, ob dieser noch bewohnt ist.

Bei der Reinigung gilt es, das alte Nistmaterial zu entfernen, da die Vögel selbst dieses nicht beseitigen können. Doch dazu muss der Nistkasten zunächst geöffnet werden. Je nach Modell werden dazu Haken oder Schrauben gelöst, welche das Anheben einer Klappe oder Trennwand ermöglichen, damit Sie Zugriff in das Innere der Nisthilfe haben. Am besten gelingt die Entfernung des alten Nestes durch Auskratzen (z.B. mit Hilfe eines Metallschabers) und durch Auskehren der Reste mit einer harten Bürste. Auf keinen Fall sollten bei der Reinigung Chemikalien verwendet werden. Besser ist eine Säuberung mit warmen Wasser, damit hartnäckige Verschmutzungen gelöst werden können. Anschließend muss der geöffnete Nistkasten gut austrocknen. Die Reinigung sollte übrigens unbedingt draußen stattfinden und Sie sollten währenddessen Handschuhe tragen. Denn relativ häufig ist das Nistmaterial von Parasiten (Vogelflöhe und Milben) befallen. Die Reinigung bietet zugleich die Möglichkeit, die Nisthilfe bezüglich möglicher Schäden zu überprüfen und sie ggfs. Instand zu setzen. Diese Kontrolle sollte einmal jährlich stattfinden.

Die Beschaffenheit des Nistmaterials gibt Ihnen übrigens oft Aufschluss darüber, welche Vogelart im Nistkasten gewohnt hat. Meisen etwa bevorzugen Moos und Tiere, wohingegen Kleiber lieber auf trockenen Blättern und Rindenstückchen nisten.

Bei zwei Vogelarten darf das Nistmaterial allerdings nicht ausgetauscht werden: Mauersegler und Schwalben. Diese Vogelarten bauen ihr ganzes Leben lang an einem einzigen Nest und bessern dieses entsprechend immer wieder aus, da es fortwährend von ihnen genutzt wird